Elisabeth von Thadden (2018): Die berührungslose Gesellschaft

Immer mehr Studien belegen, was wir eigentlich intuitiv wissen: Körperkontakt tut dem Menschen gut. Kleinkinder sind auf Körperkontakt angewiesen, um sich gesund zu entwickeln. Auch für Erwachsene ist Körperkontakt ein zentrales Element für das Wohlbefinden und trägt nachweislich zur Gesundheit bei. Dennoch leiden Menschen in den Industrieländern unter chronischem Berührungsmangel. Besonders in den nordischen und mitteleuropäischen Ländern, wo Berührungen aufgrund historischer Prägungen negativ angesehen und daher kulturell reglementiert oder sanktioniert sind.

Cem Ekmekcioglu,
Anita Ericson (2011):
Der unberührte Mensch.
(Im Handel vergriffen, aber in vielen Büchereien zu finden).

In den Bereichen von Therapie, Pflege und Erziehung wird Berührung zunehmend öfter und bewusster eingesetzt. Ein aufgeklärter, differenzierter (und natürlich immer konsensueller Umgang) mit Körperkontakt lässt zudem die entsprechende Wahrnehmung nach und nach feiner werden. Wohltuende Masssagen, beruhigendes Halten, erotisches Streicheln – dazwischen liegen Welten. Körperkontakt bietet eine Fülle an Zugängen zu Lebenskunst, dies ewas mehr zu kultivieren würde der Gesellschaft insgesamt gut tun – und den meisten Menschen ganz direkt zu mehr Wohlbefinden verhelfen.